„Wären Sie bitte so nett …?!“ – 3 Gründe, warum ich manchmal nicht nett sein will …

Wilde Malve hat Besuch

Wilde Malve hat Besuch

„Wären Sie bitte so nett…
und würden das Fenster aufmachen?“, fragt mich die Seminarteilnehmerin. An sich ist das nichts Ungewöhnliches, und doch stellen sich mir bei dieser Einleitung die Nackenhaare auf. Es ist ja immer interessant, was Wörter so bei uns auslösen. Besonders solche Floskeln, die wir alle oft gedankenlos nutzen – und uns gar nichts weiter dabei denken, denn wir wissen ja, wie wir es meinen.
Nun gibt es aber natürlich im Miteinander immer den Sender und den Empfänger. Darum ist es wichtig, immer mal zu hinterfragen, warum man auf bestimmte Dinge emotional reagiert – wie ich auf das „Wären Sie so nett?“.  Ich habe mir mal überlegt, was mich daran so stört:

1. Es ist keine klare Aussage
Je klarer ich formuliere, was ich möchte, umso größer die Chance, dass ich auch
das bekomme was ich brauche. Doch oft genug reden wir um den heißen Brei herum, statt die Fakten zu benennen oder verlieren uns in Details, die das Gegenüber eher verwirren. Sich klar und konstruktiv auszudrücken ist kein Hexenwerk, sondern jeder kann das lernen. Es fühlt sich übrigens auch ganz anders an, wenn man „Klartext“ spricht. Viel selbstbewusster tritt man für sich und seine Bedürfnisse ein. Das verändert auch die Wirkung … eine positive Kette kommt in Gang.

2. Ich höre eine Forderung und keine Bitte
Klar meint die Teilnehmerin nur „Könnten Sie bitte das Fenster öffnen?“, aber das „Wären Sie bitte so nett“ bringt mich gefühlsmäßig auf direktem Weg in eine emotionale Zwickmühle: Natürlich möchte ich freundlich und hilfreich sein.  Und genau das setzt mich unter Zugzwang, denn:

3. Ich werde als Mensch bewertet
Nur, wenn ich das tue, was nach diesem „Wären Sie so nett“ kommt, werde ich als Mensch positiv bewertet. Wenn ich diesen Erwartungen nicht entspreche, werde ich als Mensch negativ bewertet. Im Sinne der gewaltfreien Kommunikation ist diese Formulierung also keine Bitte sondern eine Forderung. Denn sie lässt völlig außer Betracht, dass ich gute Gründe dafür haben könnte, weshalb ich etwas nicht tue.  Klar klingt das jetzt wie Haarspalterei, und natürlich beabsichtigt das im Alltag kaum jemand.

Doch Worte wirken, und ganz besonders in diesen subtilen Formulierungen.
Übrigens, mit unserer Sprache manipulieren wir alle ständig, auch wenn wir das weit von uns weisen würden. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das Buch von Marshall Rosenberg „Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens.“

Und falls wir uns demnächst mal im Seminar treffen, sagen Sie einfach „Mir ist zu warm. Könnten Sie bitte das Fenster öffnen?“

 

Ein Espresso für die Seele…

… oder woran kann man emotionalen Hunger erkennen?

Espresso für die Seele

Espresso für die Seele

Mit Hunger und Durst macht uns der Körper darauf aufmerksam, dass er Nachschub braucht. Doch Hand aufs Herz: Wie oft essen oder trinken wir etwas, auch wenn uns gar nicht wirklich der Magen knurrt? Mal schnell einen Schokoriegel knabbern, weil es gerade so hektisch ist und wir was für die Nerven brauchen. Noch einen Teller Nudeln, weil es so lecker war. Noch ein Kaffee zwischen all dem Stress! Dagegen ist gar nichts zu sagen, so lange e s nicht zu ungesund wird. Interessant ist aber, warum wir das machen. Weil wir durchaus Hunger haben, und zwar emotionalen Hunger.

Wir sind emotional hungrig, wenn…

… Gelüste entstehen: Schokolade, Espresso, Eis. Jetzt. Sofort. Manchmal bekommen wir urplötzlich Lust auf etwas Bestimmtes und müssen es dann sofort haben. Das Schöne ist, dass wir das schnell entlarven können: Denn echten Hunger können wir viel besser aushalten und sind auch nicht auf eine Speise oder Getränk fixiert.

… uns das Essen nicht satt macht: Echt hungrig waren wir, wenn uns die Mahlzeit satt und zufrieden gemacht hat. Wenn Sie also glücklich Ihren Teller Nudeln verspeist haben, aber dann schon wieder was haben müssen, dann prüfen Sie mal, was Ihnen gerade fehlt. Oft kann man das besser orten, wenn man sich überlegt, wie es einem gerade geht. Denn wenn wir aus Frust, Trauer, Ärger oder anderen Gefühlen heraus essen, werden wir nicht satt. Das Essen ist quasi nur ein kurzfristiger Ersatz für das, was uns tatsächlich fehlt.

… wir nach dem Essen frustriert sind: Man denkt, man hat Hunger und isst was. Doch schon gleich danach, sind wir frustriert und enttäuscht von uns, dass wir unserem Verlangen nachgegeben haben. Dabei wollten wir doch standhaft bleiben. Das muss nichts damit zu tun haben, dass Sie Gewicht verlieren möchten (obwohl das durchaus ein typischer Sabotagefaktor dafür ist). Es kann auch schlicht daran liegen, dass ein üppiges Essen Sie mittags direkt ins Suppenkoma führt oder Ihnen abends die Nachtruhe raubt.

Ein überraschendes Detail:
Sehr viele Menschen haben schon lange gar kein richtiges Hungergefühl mehr gespürt. Wir essen einfach alle ständig. Wenn Sie wieder deutlicher erspüren können möchten, ob Sie wirklich Hunger haben, dann achten Sie mal einen Tag lang auf ihre Essgewohnheiten.

Fragen Sie sich jedes mal, wenn Sie etwas essen oder trinken möchten, ob das, was Sie fühlen echter Hunger ist. So kommen Sie mit der Zeit Ihrem emotionalen Essverhalten und damit Ihren Bedürfnissen auf die Spur und können sich dann alternative Strategien zur Erfüllung überlegen.

 

Blogger schenken Lesefreude – 2014

Die UNESCO hat den 23. April 2014 zum Welttag des Buches erklärt. Aus diesem Anlass veranstalten Dagmar Eckhardt und Christina Mettge wieder ihre Aktion „Blogger schenken Lesefreude“. Aktuell sind 955 Blogger angemeldet, die auf Ihren Blogs Bücher verlosen und damit viel Lesefreude verbreiten möchten.

 

Blogger schenken Lesefreude

In diesem Jahr bin ich auch dabei, denn…

….ich LIEBE Bücher!
Ob stapelweise in gedruckter Form,  als E-Book auf dem Reader oder als Hörbuch für lange Autofahrten. OHNE  Buch  – das geht gar nicht.

Thematisch passend zu meinem Blog verlose ich:

„Giraffentango – Selbstbewusste Kommunikation in der Partnerschaft“
von Serena Rust, erschienen im Koha Verlag

GiraffentangoJa, es geht ums Tanzen, doch nicht so, wie Sie jetzt vielleicht vermuten.
Wer sich schon mal mit dem Thema „gewaltfreie Kommunikation“ beschäftig hat, weiß um die Bedeutung der  Giraffe. Mit ihrem großen Herzen und ihrem Weitblick steht sie symbolhaft für eine einfühlsame Kommunikation.  Das Buch handelt davon,  welche Auswirkungen unsere Kommunikation auf die Partnerschaft hat und wie wir gemeinsam das Sprechen und besonders das Zuhören neu entdecken können. Inspiriert von den Bewegungen beim argentinischen Tango  beschreibt Serena Rust „Kommunikation in der Paarbeziehung als ein fein aufeinander bezogener Tanz von Sprechen und Zuhören, bei dem jeder ganz bei sich ist und zugleich in feinfühliger Verbindung mit dem anderen, und in dem wir uns in Offenheit und Vertrauen miteinander bewegen“.

Neugierig,  wie aus 5 Schritten ein beschwingter Giraffen-Tango wird?
Dann bitte unter diesem Beitrag kommentieren und mit etwas Glück das Buch gewinnen.

Wichtige Details für die Teilnahme:

  • Das Gewinnspiel läuft bis zum 30. April 2014  um 23:59 Uhr.
  • Der Gewinner wird per Zufallsgenerator ermittelt.
  • Die Gewinn-Benachrichtigung erfolgt per E-Mail, bitte eine gültige Mail-Adresse angeben.
  • Die persönlichen Daten werden nur für das Gewinnspiel verwendet und anschließend gelöscht.
  • Der Rechtsweg sowie eine Barzahlung sind ausgeschlossen.
  • Außerdem behalte mir das Recht vor,  das Gewinnspiel vorzeitig abzubrechen.

Reden ist Silber, Zuhören ist Gold oder warum ich mich gerne mit Frieda unterhalte

Ich gebe es zu: Ich unterhalte mich sehr gerne mit Frieda. Warum auch nicht, werden Sie jetzt denken. Was ist daran besonderes? Sie haben sicherlich auch Menschen, mit denen Sie sich gerne unterhalten. Ja, ich auch. Ich rede aber gerade von meinem Hund. Denn Frieda ist eine Dackeldame, die sich mit viel Selbstbewusstsein und ihrem eigenwilligen Charme ihren Platz in unserer Familie erobert hat.

Frieda

Frieda

Frieda sorgt dafür, dass wir genügend Auslauf und Frischluft bekommen und trägt dazu bei, dass unser emotionaler Zustand immer wieder ins Lot kommt. Wie sie das macht? Vor allem, indem sie uns aufmerksam zuhört. Manchmal möchten wir einfach mal über Dinge reden, die uns im Kopf herumspuken und keine Ruhe geben wollen. Diese Gedanken in Worte zu fassen und sie laut auszusprechen, sorgt meistens schon für Klarheit.

Doch was macht nun einen guten – empathischen – Zuhörer wirklich aus? Marshall Rosenberg, der die Gewaltfreie Kommunikation begründet hat, versteht unter Empathie „den Verstand leer machen und mit dem ganzen Wesen zuhören“.

Bei unserem Hund sind mir viele Merkmale aufgefallen, die auch uns Menschen zu besseren Zuhörern machen.

Frieda ist voll da
Wenn wir unserem Gesprächspartner empathisch zuhören, lassen wir uns auf die Situation ein. Wir sind völlig präsent, nicht nur anwesend. Unsere volle Aufmerksamkeit gilt dem Gegenüber. Es bleibt kein Raum, um sich gleichzeitig noch mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Frieda hört mit Augen und Ohren
… alle Sinne sind geschärft, wenn wir intensiv Zuhören. Dann konzentrieren wir uns nicht nur auf das gesprochene Wort. Vielmehr achten wir auch auf nonverbale Merkmale wie Mimik, Gestik, Stimmlage und Körperhaltung. So bekommen wir einen ganzheitlichen Eindruck von dem, was unseren Gesprächspartner gerade beschäftigt.

Frieda be(wertet) nicht
Wie oft hören wir zwar zu, bewerten aber gleich. Das ist ganz menschlich, denn wir gleichen automatisch das, was wir hören mit unserem Wertesystem, eigenen Erfahrungen und Standpunkten ab. Aber es hindert uns am empathischen Zuhören, wo es einfach nur darum geht, sensibel die Gefühlslage des Gesprächspartners zu erspüren, um uns in seine Lage einfühlen zu können.

Frieda gibt keine Ratschläge/stellt keine Diagnosen
Bei Empathie geht es darum, dem anderen respektvoll und mit Verständnis zu begegnen. Empathie geben heißt nicht „etwas tun“ sondern „da sein“. Für jemanden, der vielleicht einfach nur mal gehört werden will und Verständnis sucht, können selbst wohlgemeinte Ratschläge sehr frustrierend sein (das kennen wir doch aus eigener Erfahrung!). Deshalb sollten wir uns immer vorher vergewissern, ob unser Rat oder Feedback wirklich gefragt ist.

Frieda signalisiert, wenn sie keine Lust hat
Ein wirklich guter Zuhörer zu sein, heißt auch, dass man bereit dazu ist, sich auf den anderen einzulassen. Verspürt man eine Unlust, ist gerade hektisch oder selbst kopfmäßig mit anderen Dingen beschäftigt ist, dann ist es besser ehrlich zu sein und das dem Gegenüber zu signalisieren. – Auf gute Weise, versteht sich! Und auch hier ist Frieda ein perfektes Vorbild: Denn sie ist nicht patzig, sondern zeigt klar aber freundlich, wenn sie gerade nicht will.

Hoch die Tassen!

Als passionierte Espressotrinkerin ist die Blog-Parade „Meine Lieblingstasse“ von Stefan Evertz eine gute Gelegenheit, mal wieder auf meinem eigenen Blog aktiv zu werden.

Stark, schwarz und ohne Zucker. So mag ich ihn am liebsten, meinen Espresso. Er macht mich am Morgen munter und hilft mir zwischendurch, die kleinen Tiefs des Alltags zu überbrücken. Dabei ist die Tasse für mich gar nicht so wichtig, entscheidend ist die Qualität des Inhaltes, der Espresso muss einfach schmecken. Deshalb gibt es bei mir auch nicht die eine Lieblings-Espressotasse, sondern ich habe 3 Favoriten, von denen ich je nach Stimmung spontan eine auswähle:

Espressotassen-Vielfalt

Tassen-hoch-drei

  1. Der grüne Knickbecher:
    Einfach praktisch, liegt gut in der Hand, prima geeignet für den Espresso einfach so zwischendurch und nebenbei.
  2. Die Flügeltasse in weiß/pink:
    Die Diva unter den Tassen. Sie verlangt Fingerspitzengefühl, denn die beiden zarten Flügel so zu greifen, dass der Espresso auch wirklich dort landet, wo er hin soll, verlangt vollste Aufmerksamkeit. Ideal also für eine echte Auszeit mit Espresso.
  3. Die Gute Laune-Tasse:
    Die warmen Farben und der Griff in Herzform reichen schon aus, um mir an stressigen Tagen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Mit dieser Tasse wird die Pause gerne auch mal 2 Espresso lang.

Mein derzeitiger Favorit in der Tasse heißt „Grande“ und kommt direkt aus der Kaffeemanufaktur Blank Roast. Grande ist ein sortenreiner Arabica, der mit Rebenholz geröstet wird und mich mit seinen kräftigen Geschmack bei wenig Säure überzeugt.

Leise Menschen schaffen Verbindung: selbst-bewusst und selbst-bestimmt

Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch „Leise Menschen – starke Wirkung“ über Twitter. Die Autorin Dr. Sylvia Löhken gehört den Menschen, von denen ich gerne in meiner Timeline lese. So zum Beispiel auch über dieses Buch. Bis dahin kam der Ausdruck „leise Menschen“ in meinem Vokabular nicht vor, und doch spürte ich sofort eine Verbindung zu dem Thema, wurde neugierig und habe gleich den Online-Test gemacht. „Bin ich es und wenn ja, wie ausgeprägt?“, das war die entscheidende Frage. Und dann das Ergebnis: Einen kleinen Verdacht hatte ich schon, aber dass es so eindeutig ausfallen würde, war doch eine Überraschung. Umso mehr war ich gespannt auf das Buch.

Ich finde das Buch „Leise Menschen – starke Wirkung“ einfach faszinierend: Es macht Mut und ist für leise Menschen (=Intros) ein Geschenk. Denn hier werden sie sich wiederfinden, gewürdigt mit all ihren starken und nicht so starken Seiten. Sylvia Löhken zitiert neueste wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass sogenannte Intros einfach andere Bedürfnisse haben als extrovertierte Menschen.
Bereits im Inhaltsverzeichnis bringt die Autorin es auf den Punkt:

„Wer Sie sind. Was Sie können. Was Sie brauchen.“

Ja, das ist es! Das sind die entscheidenden Fragen, um die es geht. In unserer lauten Welt ist es besonders für leise Menschen wichtig, sich der eigenen Stärken bewusst zu sein, sie gezielt einzusetzen, um wahr genommen und gehört zu werden. Doch wie jede Medaille haben Stärken eine Kehrseite. Dort finden sich weniger ausgeprägte Eigenschaften, die  typisch sind für leise Menschen und die die Außenorientierung erschweren und an den eigenen Ressourcen zerren.
Und genau hier setzt die Autorin an. In unterschiedlichen Beispielen aus ihrer Coaching-Praxis veranschaulicht sie die Problematik und bietet konkrete Tipps und Checklisten, wie sich leise Menschen auf „laute“ Situationen, sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext, vorbereiten können. Besonders hilfreich finde ich persönlich die Klärungsfragen in jedem Kapitel, die dazu beitragen, sich immer wieder mit sich und seinen Bedürfnissen auseinander zu setzen.
Denn nur, wenn ich mit mir selbst in Verbindung bin, dann kann ich gut für mich und meine Bedürfnisse sorgen und (auch als leiser Mensch) Präsenz zeigen!

Ob Intro oder Extro: hier geht es zum Online Test: http://www.leise-menschen.com/

Leise Menschen – starke Wirkung
Sylvia Löhken
Gabal Verlag 2012
ISBN 978-3-86936-327-1

You never walk alone…

…oder wieviel Verbindung sich hinter 140 Zeichen versteckt.

Allein sein ist ein zwiespältiges Gefühl. Manchmal herbei gesehnt, oft auch gefürchtet. Je nach dem, was wir gerade für uns brauchen. Allein sein kann durchaus gewollt sein.

Als kommunikativer Mensch geniesse ich oft die Stille und das Allein sein in meinem home office, um ungestört und konzentriert zu arbeiten. Endlich mal was wegschaffen, neue Ideen ausbrüten, spannende Recherchen durchführen…Gleichzeitig brauche ich auch den Austausch mit anderen Menschen…nicht zuviel und bitte dann, es mir danach ist.
Seit 3 Monaten habe ich dafür eine wunderbare Lösung gefunden: Meine Timeline bei Twitter.  Hier treffe ich Menschen, die ähnliche Interessen haben, erfahre spannende News und kann mich über Fachthemen austauschen. Quasi ein virtuelles Großraumbüro. Meist findet sich sogar jemand, der zur kollektiven Kaffeepause aufruft. Twitter bietet neue Möglichkeiten, macht die globale Welt erreichbar und bringt mich so in Kontakt mit vielen interessanten Menschen. Dabei habe ich es selbst in der Hand, wann und wie ich mich aktiv einbringe und vor allem auch, wem ich folge.
Meine Timeline gibt mir das Gefühl, dass immer jemand da ist und dass ich dazu gehöre. Wie im realen Leben auch: Sich mit anderen in der gleichen Situation zu wissen, schafft automatisch Verständnis und Verbindung. Und dazu reichen auch 140 zeichen!

 

Streit – kultivieren oder schlichten?

In der letzten Zeit fällt mir auf, dass das Thema „Streit“ eher passiv besetzt ist. Man streitet sich nicht mehr, sondern man lässt schlichten.  Ob Stuttgart21, Tarifgespräche der Gewerkschaften, selbst an Grundschulen gibt es inzwischen Streitschlichter, die in Konfliktsituationen vermitteln sollen.
Grundsätzlich ist „streiten“ nichts Negatives, im Gegenteil. Meinungsverschiedenheiten und Konflikte sind seit jeher in allen Formen menschlichen Zusammenlebens zu finden und tragen zu einer lebendigen Gesellschaft bei. Bei einem konstruktiven Streit vertreten  Menschen verbal ihren eigenen Standpunkt und erkennen gleichzeitig an, dass der Andere einen anderen Standpunkt hat und auch haben darf. Soweit die Theorie.

Aus der wissenschaftlichen Forschung wissen wir, dass Menschen in Extremsituationen unbewusst immer auf Handlungsmuster zurückgreifen , die Ihnen vertraut sind und die sich in der Vergangenheit als hilfreich erwiesen haben. Und so regieren die meisten von uns in Konflikten entweder mit Angriff,  Kampf oder Fluchtverhalten. Alles keine wirklich konstruktiven Ansätze. Zum einen weil wir in einem Reiz-Reaktions-Muster gefangen sind und nicht wirklich frei agieren. Zusätzlich schaffen wir  mit unserem Verhalten  keine Verbindung zum anderen, sondern nur noch mehr Distanz, d.h. die Aussichten auf eine Verständigung werden immer geringer.

Was hindert uns daran, unseren Streit selbst in die Hand zu nehmen?
Vielleicht, weil wir es nicht gelernt haben? Weil wir schon im Kindesalter hören „Streitet euch nicht!“ und andere damit den Konflikt für uns beenden statt uns Kompetenzen zu vermitteln, wie wir konstruktiv unsere Interessen kundtun können?

Brauchen wir einen Dritten, von dem wir glauben, dass er unsere Interessen besser vertreten kann  oder gar durchsetzt?